Hausaufgabe

von | 30. Jun 2019 | 0 Kommentare

Epoch Times hat eine kleine Geschichte erfunden, die uns zu Tränen rühren soll. Die Reaktionen bei Facebook fallen fast alle bedauernd aber zustimmend aus. Ich habe eine andere Meinung.

Um dem Missverständnis nicht wieder mit Karacho in die Arme zu rennen: Ich plädiere nicht dafür, Kinder zu vernachlässigen. Und natürlich brauchen Kinder Liebe und gemeinsame Zeit. Ich glaube nur, dass gemeinsame Zeit am bereicherndsten ist, wenn beide sie freiwillig wählen.
Ich habe zwei Probleme mit dem Video.
Erstens: In den meisten Familien sehe ich es eher umgekehrt: Die Eltern zwingen ihre Kinder, die Smartphones beim Essen abzuschalten und sie begrenzen die Computerzeit ihrer Kinder.
Zweitens: Die Mutter ist Lehrerin, unterrichtet also Kinder, die der Schulanwesenheitspflicht unterliegen. Sie hat den Kindern »aufgetragen«, einen Aufsatz zu schreiben mit dem Titel »Mein Wunsch«. Viele Kinder wollten wahrscheinlich keinen Aufsatz schreiben und wenn doch, dann nicht unbedingt zu diesem Thema. Sie ist also davon überzeugt, dass Kinder am besten aufs Leben vorbereitet werden, wenn sie — zumindest hin und wieder — das tun, was man ihnen sagt. Sie glaubt daran, dass — zumindest manchmal — allgemeingültige Normen wichtiger sind als die Frage, wie sich das Kind gerade fühlt und was ihm wichtig ist.

Meine Antwort ist aus der Perspektive eines Kindes geschrieben, das für sein Alter unvorstellbar reif ist. Es handelt sich also um Fiktion. Vielleicht gibt es trotzdem Hörer, die nicht gleich alles reflexartig als Unsinn ablehnen?

Sollte der Audioplayer nicht funktionieren, kann man die MP3-Datei auch hier laden:
Hausaufgabe.mp3