Geplatzte Träume
Ich wollte Milch und bekam nur die Flasche,
ich wollte Nähe und schlief in der Wiege,
ich wollte Liebe und sie ließen mich schreien.
Ich wollte spielen und kam in die Kita,
ich wollte Freiheit und sie setzten Grenzen,
ich wollte schimpfen und sie sagten: Nein!
Ich wollte lernen und musste zur Schule,
ich wollte Bindung und wurde gelobt,
ich wollte leben und sie mich schön selbstlos.
Ich wollte Frieden und sie zogen mich ein,
ich wollte Wahrheit und hörte nur Lügen,
ich wollte weinen und sie spendeten Trost.
Ich war kreativ und schrieb nur Berichte,
ich hatte Motive und bekam Motivierung,
ich wollte Vertrauen, empfand Boni als Verrat.
Ich wollte helfen und sie soziale Gesetze,
ich wollte Sicherheit und glaubte lange an Rente,
ich wollte Recht und sie mästeten den Staat.
Ich wollte sparen und sie druckten mehr Geld,
ich wollte Freiheit und bekam Demokratie,
und nun ist mir klar:
Ich wollte das Gute und bin eigentlich »sie«.
Mein erstes und bisher einziges Gedicht wurde inspiriert durch diesen Absatz von Freeman.
»Was ist an Trost so schlimm?« fragten einige. Rosenberg zitiert eine Todkranke, die sagt, dass es schwer zu ertragen sei, dass ihre Besucher mitleiden. So muss sie sich auch um deren Leid kümmern. Hilfreicher sei es, den Schmerz des anderen mit Empathie »zu genießen«, statt zu versuchen, ihn tröstend zu lindern oder mitzuleiden.
