Des Golfers Konjunktiv

Der Konjunktiv verliert im Alltag an Bedeutung und wird verdrängt durch den primitiven Einsatz des Konditionals: »Ich würde gerne weiter schlagen« statt »ich schlüge gerne weiter«.

Dieser Dialog aus zwei Unterrichtsstunden am Fleesensee soll Sprach- und Golfkenntnisse auffrischen.

1. Stunde

Schüler: Ach, was gäbe ich dafür, wenn ich zu hooken vermöchte!
Lehrer: Wenn ich Ihnen einen stärkeren Griff empföhle, bärste allenfalls Ihr Handgelenk und Sie erschräken womöglich. Böge ich den Schlägerkopf nach links, bräche eventuell auch dieser. Bäte ich Sie mehr von innen zu kommen, flösse zwar mehr Geld in meine Tasche, aber der Ball flöge rechts nur tiefer ins Gestrüpp.
Schüler: Und wenn ich überrollte, hülfe das?
Lehrer: Damit gewönnen Sie keinen Preis.
Schüler: Nun wenn ich aber meine Arme stärker höbe oder einfach nach links nur stände?
Lehrer: Um Gottes Willen, dann sprösse der Slice nur umso stärker und der Club entzöge Ihnen womöglich die Spielberechtigung.
Schüler: Wenn ich meine Hüfte stärker schöbe, schmölze dann der Slice?
Lehrer: Das wäre so als zögen Sie stärker mit den Armen und schlügen so spät sie könnten: Glauben Sie mir, der Ball schösse rechtwinklig ins Gehölz.
Schüler: Und wenn ich mir den Schaft vom Meyer stöhle, sodass mein Driver weniger wöge?
Lehrer: Wenn das meine Schüler erführen, wenn Sie davon sprächen, würbe niemand mehr für mich und Sie verdürben mir das Geschäft. Das wäre so, als stöhlen Sie mir den Ruf und ich stäke in einem Dilemma.
Schüler: Und wenn ich meinen Ball einfach nur noch würfe, trüge, träte oder stieße, dann träfe ich ihn doch nie wieder mit verkantetem Kopfe?
Lehrer: Ja, ja. Aber der Spaß verlösche schnell und spornstreichs kröchen Sie wieder bei mir zur Stunde und frügen nach erneuter Hilfe.
Schüler: Wenn ich jetzt schwüre, nie wieder Golf zu spielen, hälfe das?
Lehrer: Eines ist sicher: So misslänge nie wieder ein Schlag, Ihre Frau spränge vor Freude, Sie brauchten sich nicht mehr zu schämen und wüchsen dabei über sich hinaus.
Schüler: Was wenn die Lust dann doch wieder aufglömme?
Lehrer: Schüfe ich einen MOI-gematchten Schlägersatz für Sie, quöllen Sie über vor Freude bis dass die Tränen rönnen und wir beide in ihnen schwömmen, da bin ich sicher. Aber ich löge und betröge, wenn ich Ihnen Mätthäus 16, 26 verschwiege:
»Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?«

2. Stunde

Schüler: Darf ich Sie noch mal um Unterstützung bitten? Sie sagten ja, wenn ich mich durchbisse, nicht mehr so drösche und hiebe, dann bärste irgendwann der Knoten. Aber es scheint fast so, als gäbe es nichts, was den Ball dazu bewöge, jenseits der Bäche und Sträucher zu landen. Glauben Sie mir: Wenn Sie einen neuen Trick ersännen, dass mir der Draw gelänge — ich brächte Ihnen zwanzig neue Schüler. Ich priese Ihren Namen, indem ich sänge, pfiffe oder auf meiner Flöte bliese.
Lehrer: Verlöre ich so viele Bälle wie Sie, spönne ich wahrscheinlich auch.
Schüler: Vielleicht wenn ich so schwänge wie John Daly, genauso äße und tränke oder besser: fräße und söffe wie er; begönne dann die Zeit des langen Draws? Der schlägt doch heute noch als gölte es den Ball zu töten und es scheint, als genösse er jeden Hieb.
Lehrer: Anfangs erbrächen und spien Sie stündlich und nach einigen Tagen gediehe die Fettsucht so, dass Sie furchtbar röchen, ich möchte fast sagen: stänken — egal wie oft sie sich wüschen —, und am Ende vielleicht nie wieder genäsen. Schließlich rängen Sie mit dem Tode und wenn Sie verstürben, was schriebe Ihre Witwe dann auf des Grabes Stein?
Schüler: Sie erwürbe sicher den billigsten aller Steine, führe nie zum Friedhof, flöhe aus der Stadt und vergäße mich innerhalb von Tagen.
Der letzte Lehrer meinte übrigens, meine Hüfte wiche zu sehr aus und wenn ich meine rechte Seite besser auflüde, den Körper also mehr verwränge oder verwände und dabei nicht so zusammensänke, dränge der Golfschläger mehr von hinten in den Ball und glitte besser durch das Gras. Im Moment klänge es so, als stäche er zu steil von oben, grübe sich nur ein und gliche eher einem Spaten. Ich dachte, wenn ich zusätzlich die Schäfte beschnitte oder die Eisen hier etwas abschliffe, verziehen sie das etwas mehr.
Lehrer: Tun Sie das nicht. Abschleifen oder Beschneiden verbärge allenfalls das Problem und der Slice göre im Hintergrund. Bei Ihrem Eifer schwände die Masse viel zu stark, der Schlägerkopf mäße bald nur noch Millimeter und böte dem Ball kaum noch Widerstand. Wahrscheinlich fänden Sie ihn sogar gar nicht mehr, weil sie ihn nicht mal mehr sähen.
Seien Sie versichert: Es liegt an Ihrem Gezappel vor dem Schlag. Wenn Sie noch häufiger griffen, könnte man glauben, Sie mölken den Griff oder wrängen nasse Wäsche. Wenn ich Sie nicht kennte, dächte ich, Sie schissen sich in die Hosen. Hielte ich den Schläger so wie Sie, dann erwöge ich auch das Aufhören, schlösse meine Schläger für Monate in den Schrank und schmisse sie nach dieser Zeit dann fort.
Schüler: In Gottes Namen, was soll ich denn bloß tun?
Lehrer: Wenn Sie endlich mal mein Buch läsen, meinen kostenpflichtigen Rundbrief bezögen, andere Lehrer mieden und die Backen zusammenkniffen, dann bliebe Ihnen der Slice erspart, sie rängen nicht mehr mit Ihrem Schicksal und brächten es irgendwann zu einer einstelligen Vorgabe. Der Ball stiege in die Höhe, riebe sich an der Luft mit reinem Rückwärtsdralle weiter nach oben und niemand nennte Sie mehr einen Hacker.
Schüler: Ach, was täte ich nur ohne Sie, wenn Sie mir den Weg nicht wiesen und ich Ihre Botschaft nicht empfinge? Niemand schlänge seine Arme um mich, niemand zwänge mich zum Durchhalten und niemand erlöste mich von meinem Gelde oder gierte nach meinem Weibe. Ich rennte, schritte oder schliche wie blind über die Plätze, föchte einen aussichtslosen Kampf, schölte womöglich meine Mitspieler und hinge irgendwann meine Tasche an den Nagel. Meine Seele fröre und wahrscheinlich brächte ich mich alsbald um oder beföhle meinem Weibe das zu tun, denn allein träfe ich sicher daneben — und dann verschiede meine Slicerseele nie.