Prügelstrafe für Frauen im Islam

von | 5. Okt 2015 | 0 Kommentare

Im ägyptischen Sender »Al-Rahma TV« wurde am 4. Februar 2010 der Imam Sa’d Arafat zur Prügelstrafe von Frauen befragt. Das Middle East Media Research Institute (MEMRI) hat es übersetzt.

Der Imam sagte, dass Allah die Frauen durch den Einsatz der Prügelstrafe ehre. Er ehre sie durch Regeln; so dürfe die Prügel beispielsweise keine Frau entstellen. Der Mann dürfe seine Frau auch nicht ins Gesicht schlagen oder beim Schlagen beschimpfen. Er dürfe sie auch nur maximal 10 Mal schlagen und ihr dabei keine Knochen brechen, keine Zähne ausschlagen und ihr nicht die Augen ausstechen. Es gebe eine Prügel-Etikette: Man dürfe zwar eine kurze Rute nutzen, aber die Prügelstrafe sei nur erlaubt, wenn die Frau sich weigere, mit ihrem Mann zu schlafen.

Dieses Video kursiert derzeit aus aktuellem Anlass wieder bei Facebook und erntet fast ausschließlich zynische Kommentare. Diese Kommentare sind sicher Ausdruck des Schmerzes und vielleicht auch der Hilflosigkeit. Aber wie sähe eine Antwort aus, mit der man sich ernsthaft um eine Konfliktlösung bemühen könnte? Die politische Linke ignoriert die Frage weitgehend und die Konservativen setzen aufs Einfordern unserer westlichen Werte. Ich fürchte jedoch, dass man damit niemanden von der Prügelstrafe abbringen wird, der von dessen Einsatz fest überzeugt ist. Wir brauchen deshalb einen alternativen Plan, wenn wir Moslems ernsthaft bei uns integrieren wollen. Ich möchte deshalb skizzieren, wie ein gewaltfreies Gespräch in diesem Beispiel aussehen könnte.

Stellen wir uns einmal vor, der Imam wäre bei uns in einem Flüchtlingslager auf Deutsche getroffen, die ähnlich kritisch auf sein Interview reagiert haben wie die Kommentatoren bei Facebook. Den Imam würde das sicher irritieren, und deshalb würde ich zunächst ein empathisches Herangehen empfehlen. Beispiel:

»Wenn Sie sehen, dass die Regeln ihrer Religion bei uns verboten sind und dafür scharf kritisiert werden, dann fühlen Sie sich vielleicht unverstanden und empfinden Wut, weil Sie ein großes Bedürfnis nach Ordnung und Sicherheit haben? Ihnen ist wahrscheinlich der Schutz von Werten wichtig? Sie haben sicher Angst, dass wenn man auf die islamischen Regeln und die zugehörigen Strafen verzichten würde, dass dann Chaos ausbräche und am Ende das Wohl aller gefährdet wäre? Vielleicht wollen Sie von mir hören, wie Sicherheit und Ordnung meiner Meinung nach auch auf andere Weise sichergestellt werden könnten?«

Es ist zwar sehr unwahrscheinlich, dass diese Nachricht gleich so empfangen wird, wie man sie gesendet hat. Aber man kann diese Art der Empathie natürlich in beliebig vielen Schleifen und Variationen wiederholen. Wichtig dabei ist, die Aussagen des Gegenübers immer wieder gewaltfrei zu übersetzen: Was sind seine Beobachtungen, Gefühle, Bedürfnisse und Bitten? Erst wenn der Imam sich gehört fühlte, wäre Zeit für den Selbstausdruck. Der könnte zum Beispiel so aussehen:

»Wenn ich Ihre Erklärungen zur Züchtigung von Frauen höre, bin ich entsetzt und fassungslos, weil ich ein großes Bedürfnis nach Respekt und Sicherheit, Freiwilligkeit und Wohlwollen habe. Könnten Sie mir sagen, ob Sie sich auch mit diesen Bedürfnissen identifizieren können?«

Das Ziel im weiteren Gespräch lautet, gemeinsam zu der Erkenntnis zu kommen, dass man die gleichen Bedürfnisse teilt und lediglich die Strategien zum Befriedigen dieser Bedürfnisse voneinander abweichen.

Ich habe zwar noch nie mit Moslems diskutiert, aber vergleichbare Gespräche mit Managern und Eltern geführt. Die wollten ihre Mitarbeiter und Kinder zwar nicht mit körperlicher Gewalt erziehen, aber viele sind von Strategien überzeugt, die erheblich von meinen abweichen. Auch wenn es hart klingt: Aber Bestechen, Bedrohen und Bestrafen sind in unserem Kulturkreis gebilligte Methoden. Manager werden dann vielleicht euphemistisch von Konsequenzen sprechen und Eltern beispielsweise von Time-Outs, aber ein wirklich gewaltfreier Umgang mit Mitarbeitern und Kindern ist auch in Deutschland noch die große Ausnahme. Gewaltfrei hieße: Bitten ersetzen Forderungen, und Bitten kann man auch ungestraft mit Nein beantworten.
Auch bei solchen Gesprächen wird man niemanden in einer Sitzung zu einem völligen Umdenken bringen, aber man öffnet zumindest eine Tür, wohingegen die Alternativen Türen eher zuschlagen.