Fortgeschrittene Rennradfahrer

von | 22. Jun 2017 | 1 Kommentar

In dem Blog »Die Kette rechts« gab es einen Beitrag über Fahrradanfänger. Ich verstehe mich auch als Anfänger, da ich erst letztes Jahr angefangen habe und mich das Trek-Fahrrad laut des Artikels auch als Anfänger ausweist. Ich versuche hier mal meine peer group durch einen Gegenangriff zu verteidigen.

Meine These: Fortgeschrittene Radfahrer sind konservativer als Golfer.

1. Sie glauben, nur Felgenbremsen seien akzeptabel, statt zu erkennen, wie viel besser Scheibenbremsen sind.

2. Sie haben Schläuche in ihren Reifen, statt tubeless zu fahren.

3. Sie fahren mit Pulsmessern statt mit Wattmessern und orientieren sich bei ihrer Trainingssteuerung an Durchschnittsgeschwindigkeit und KM-Leistung statt am TSS.

4. Sie ölen ihre Kette, statt sie zu wachsen.

5. Sie treten bergauf wie die Teufel und nutzen bergab den Freilauf, statt die Leistung zu glätten (siehe 3).

6. Sie fahren seit 20 Jahren und waren noch nie bei einem Bike-Fitting. »Meinen Sattel werde ich ja wohl noch selbst einstellen können.«

7. Die Sattelüberhöhung ist brutal, aber sie fahren 90 Prozent der Zeit mit durchgestreckten Armen am Oberlenker. Außerdem wackelt der Hintern mit jeder Kurbelumdrehung hin und her.

8. Sie nutzen Garmin-Computer, weil man das schon immer so macht. Wahoo Elemnt schreibt sich ja auch so schwierig.

9. Sie haben Kettenschlösser für deren Öffnung man ein Werkzeug benötigt.

10. Auch die Flachlandfahrer machen sich Gedanken über das Gewicht ihres Rades, statt über dessen Aerodynamik. Von einem Aero-Fitting haben sie noch nicht mal was gehört.

11. Sie motzen über Fahrer ohne Helm, aber Klingeln am Rennrad sind genauso verpönt wie Licht bei Tag.

12. Elektrische Schaltungen halten sie für neumodischen Schnickschnack, den keiner braucht.

13. Sie machen aus jeder Fahrt mit ihren Riegeln eine Kohlenhydratparty und wundern sich trotz ihrer hohen Jahreskilometerleistung über die unveränderte Anzeige auf ihrer Waage. Den Begriff Ketose haben sie noch nie gehört.

14. 25er-Mäntel halten sie für Cross-Bereifung, denn wer schnell sein will, brauche 19er mit mindestens 9 Bar.

15. Die letzte Leistungsdiagnostik ist Jahre her, aber trotzdem sind sie überzeugt, nah am Optimum zu trainieren. Schließlich sind sie ja auch überdurchschnittlich gute Autofahrer, Liebhaber und haben viel Ballgefühl und handwerkliches Geschick.

16. Ihre Strava-Heatmap kennt nur eine Farbe (rot), weil sie immer die gleichen Strecken fahren.

17. Als Trainingsprotokollierung dient Garmin Connect oder Strava. WKO4 oder Golden Cheetah kennen sie nicht. »Mit Computern kenne ich mich nicht so aus.«

Wer kann die Liste um weitere Klischees ergänzen?